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KUNDENKARTE

Haben Sie eine Kundenkarte? Diese Frage höre ich regelmäßig in meiner Tchibo Filiale, wenn ich einmal die Woche meinen frisch gemahlenen Kaffee kaufe. Ich gehöre zur Stammkundschaft und meistens brauchen die netten Verkäufer*innen nur eine kurze Bestätigung, ob ich wie immer 300 Gramm Brazil Mild haben möchte. Und sie wissen genau, dass ich keine Kundenkarte besitze. Trotzdem wiederholt sich der gleiche Frageablauf schon seit Jahren. Manchmal werde ich sogar freundlich als „Der Kunde ohne Kundenkarte“ begrüßt.
Das zeigt, wie konsequent die Verkäufer*innen geschult werden, um stets nach der Kundenkarte zu fragen. Aber handelt es sich dabei wirklich um Kundenfreundlichkeit und Aufmerksamkeit? Natürlich nicht. Dahinter steckt ein ausgeklügeltes Umsatz- und Gewinnziel des Unternehmens. Jeder unterschriebener Kundenkartenvertrag ist Gold wert.
Egal ob Supermärkte, Drogerien, Fachgeschäfte, Apotheken, Tankstellen, oder auch Hotels, Airlines, Autovermietungen: Fast alle Unternehmen bieten diese Rabatt- oder Bonuskarten an. Zugesichert werden dem Kunden Vorteile beim Kauf von Waren oder Dienstleistungen und er sollte sich damit umschmeichelt und bevorzugt fühlen. Gut und schön, aber welche Vor- und Nachteile haben diese Kundenbindungsprogramme wirklich?
Für mich scheint das nach wenig Nutzen für das bereitwillige Zurverfügungstellen von vielen persönlichen Informationen. Ich will nicht so einfach meine persönlichen Daten für irgendwelche Rabatte hergeben. Gewiss wird nach der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ein sicherer Umgang mit meinen personenbezogenen Daten gewährleistet, trotzdem möchte ich erfahren, zu welchen Zwecken diese Daten gespeichert und genutzt werden. Was passiert, wenn ich meine Einwilligung verweigere oder zurückziehe? Bin ich in diesem Fall wirklich geschützt? Will man auf Nummer Sicher gehen, sollte man das Kleingedruckte im Vertrag vor dem Unterschreiben ganz genau gelesen haben.
Aus Erfahrung weiß ich, wie wertvoll Kundendaten sind. Nicht nur die üblichen Daten, wie Name und Adresse werden gespeichert. Viel wichtiger sind marketingrelevante Informationen des Kunden: Familienstand, Einkommen, Hobbys. Auch Kaufverhalten, Vorlieben von Artikeln werden analysiert und interpretiert. Sie verhelfen dem Unternehmen zu einem effektiveren Marketing, zu mehr Kundenorientierung und zur Prognose von Kundenbedürfnissen. Über Kundenabgleiche werden Listen erstellt, um gezielt Werbung zu versenden. Auch unzählige Marketingfirmen oder IT-Firmen leben davon, Kundendaten zu sammeln und zu verarbeiten.
Interessanter ist die Frage, was bekomme ich eigentlich als Gegenleistung für meine persönlichen Daten? Nur selten gewähren Kundenkarten einen direkten Preisnachlass. Meistens sind es Treuepunkte, die man fleißig sammeln muss. Erst mit einer bestimmten Punktzahl werden sie zu einem Rabatt oder Bonus umgewandelt. Es bedeutet, dass nur dauerhafte und markengebundene Treue belohnt wird. Das Ziel ist Kundenbindung. Damit wird erreicht, dass der Kunde ausschließlich und regelmäßig in dem Unternehmen kauft und keine anderen Wettbewerber aufsucht. Ganz nach dem Motto: Mein Kunde, mein Gewinn!
Sind die Angebote auch wirklich hochwertig? In der Tat habe ich hier meine Zweifel. Normalerweise findet man diese Produkte nicht im Handel und damit ist ein Preisvergleich nicht möglich. Meistens werden sie ausschließlich für die Kundenbindungsprogramme hergestellt. Man kann also vermuten, dass sie tatsächlich günstig sind. Außerdem ein Produkt zu kaufen, nur weil es einen Rabatt gibt, ergibt für mich wenig Sinn.
Sehe ich die mit Kundenkarten vollgepfropften Geldbörsen mancher Menschen, habe ich den Eindruck, sie sind nur mit Sammeln von Rabatt- oder Bonuspunkten beschäftigt. Schnäppchenjäger sind immer auf der Suche, da müssen auch alle Karten mitgeschleppt werden: Man weiß ja nie, wann und wo, welches Angebot zu finden ist. Mit der Zeit verliert man dann den Überblick, welche Rabatte oder Bonus auf den einzelnen Karten programmiert sind. Werden die Treuepunkte innerhalb einer bestimmten Frist nicht gegen eine Prämie eingelöst, verfallen sie und das Sammeln fängt wieder von vorne an. Ich empfinde das ständige Horten und Rumschleppen der vielen Plastikkarten eher als störend und zeitraubend. Meine kleine praktische Geldbörse passt problemlos in jede Hosentasche.
Über Kundenbindung durch fortlaufende Rabatte und Schnäppchen freuen sich nur die gewinnsüchtigen Unternehmen. Dass dabei ein psychologischer Kauf- oder Konsumzwang entsteht, wird selbstverständlich verschwiegen. Doch diese Abhängigkeit kann zur Last werden. Ich verzichte lieber auf die ständige Jagd nach überflüssigen Angeboten und ich entscheide mich für nachhaltigen und bewussten Konsum. Das ist für mich auch im Hinblick auf Umwelt- und Klimaschutz die bessere Alternative.
Meine Argumente und mein Wissen halten mich von den meisten Kundenbindungsprogrammen ab. Die nervigen Nachfragen nach der Kundenkarte nehme ich weiterhin mit Humor. Bin ich damit allein?

Dieser Beitrag hat 6 Kommentare

  1. Jürgen

    Nein, ich habe keine Kundenkarte. Ich hasse die Dinger abgrundtief, sie würden mein Portmonee deutlich dicker machen und ich vergesse sie wahrscheinlich sowieso. Probiert habe ich das mal beim Bäcker und beim Friseur, die ich regelmäßig aufsuche. Natürlich hatte ich sie nie dabei und warf irgendwann 3 Brotkarten einfach in den Müll.
    Ich möchte einkaufen gehen oder eine Dienstleistung in Anspruch nehmen, mehr möchte ich nicht. Mir geht auch das alles bewerten bei online Buchungen total auf die Nerven. Keine Ahnung ob es daran liegt das ich zu alt bin, aber in den Anfangszeiten von online Shopping, nervten keine Bewertungsaufforderungen, Rabattaktionen oder Kundenkarten.

    1. Piotr

      Weil auch online die Konkurrenz stärker geworden ist. Außerdem sind Kundenbewertungen eine wichtigste Informationsquelle für den Händler… Danke für Dein Feedback. Gruß, Piotr

  2. Aurelia

    Da bist du nicht allein mit, ich habe auch keine. Denn dieses sammeln der Punkte oder sowas dauert zu lang um wirklich Vorteile zu haben. Ich kaufe wo ich mag und das sind überwiegend die gleichen Geschäfte, auch ohne Kundenkarte geh ich gern hin 🙂
    LgAurelia

    1. Piotr

      Hallo, ich freue mich über Deinen Kommentar… Da hast Du Recht! Auch ohne Kundenkarte kauft man gerne in Lieblingsgeschäften… Gruß, Piotr

  3. Eddy

    Hallo Piotr,

    ich bin hier der gleichen Meinung wie Du: Kundenbindungsprogramme triggern mich nicht – und Kundenkarten möchte ich keine in meinem Portomonnaie haben.

    BG, Eddy

    1. Piotr

      Gut, dass ich nicht allein mit meiner Meinung bin… Danke fürs Feedback! Gruß, Piotr

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