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LEBENSLAUF

Wie sollte ein moderner, professioneller Lebenslauf aussehen? Hinsichtlich meiner beruflichen Neuorientierung ist das für mich aktuell eine bedeutsame Thematik. Der Lebenslauf ist eine berufliche Visitenkarte und ein essentieller Teil der Bewerbungsunterlagen. Er ist ohne jeden Zweifel wichtiger als das Anschreiben, denn der erste Blick des/der Personalers*in richtet sich genau auf dieses Dokument. Und mit diesem ersten Eindruck wird oft entscheiden, ob ein weiteres Interesse besteht.
Googelt man das Wort „Lebenslauf“, erscheinen mehr als 22 Millionen Einträge. Das sind überwiegend Fallbeispiele, Tipps, Vorlagen, Lebenslauf-Generatoren oder -Optimierer. Das alles soll helfen, aus einem beruflichen Werdegang das größtmögliche Potential herauszuholen. Inhalte werden digital formatiert und organisiert. Einige Optimierer versprechen sogar, einen Lebenslauf wie ein Kunstwerk zu gestalten.
Das Personalmanagement in größeren Unternehmen arbeitet immer öfter mit sogenannten Bewerbungsmanagement-Systemen. Sie werden durch Tools wie das CV-Parser unterstützt. Eine Software-Anwendung durchsucht, basierend auf Algorithmen, die eingegangenen Bewerbungen auf vordefinierte Begriffe, Stichworte und Formatierungen. Diese werden von ihr automatisch vor- oder sogar aussortiert. Es kann also passieren, dass ein Lebenslauf gar nicht erst von dem/der Personaler*in gelesen wird. Damit ein Dokument nicht vom CV-Parser aussortiert wird, muss man den gesamten beruflichen Werdegang entsprechend standardisieren und optimieren.
Für überschaubare Karrieren jüngerer Semester funktioniert die Online-Optimierung und -Gestaltung meist problemlos. Bei meinem Lebenslauf wird das bereits durch den Umfang meiner Angaben erschwert. Beim Versuch meine offensichtlich lange Laufbahn mit den unterschiedlichen Stationen lückenlos darzustellen, komme ich auf ein mehrseitiges Dokument. Deshalb habe ich meinen Lebenslauf bewusst auf drei Din-A4-Seiten begrenzt und nur die relevantesten Stationen ausgewählt. Die Angabe des Geburtsdatums finde ich ebenfalls überflüssig. Selbstverständlich habe ich kein Problem mit meinem Alter, aber es ist ohnehin in anderen Dokumenten, wie Zeugnissen und Urkunden sichtbar. Ferner sollte doch jedem klar sein, dass ich mit einem so stationsreichen Werdegang ein „älterer“ Bewerber sein muss. Genauso verzichtbar sind für mich im modernen Lebenslauf die Angabe von Hobbys oder privaten Interessen.
Weitere Komplikationen tauchen bei der Angabe von Studienzeiten und Abschlussnoten auf. Mein Magisterabschluss ist dem heutigen Master vergleichbarer und gleich zu bewertender Hochschulabschluss. Ist aber nur der Begriff Master im System als Ausschlusskriterium festgelegt, so würde mein Lebenslauf automatisch aussortiert. Ebenfalls nicht lesbar für die Software ist meine Abschlussnote „gut“. Sie muss im Dokument wortwörtlich als „Abschlussnote: 2,0“ aufgeführt werden.
Der Online-Vorschlag, mit dem Generator meinen Lebenslauf als Kunstwerk zu gestalten, erweist sich auch nicht unbedingt passend für mein Bestreben. Maßgebend beim Layout sind für mich ein ästhetisches Design und eine informative Gestaltung. Definitiv gewinne ich durch ein aktuelles Foto, das meine Persönlichkeit ins rechte Licht setzt, die Sympathie meines Gegenübers. Meine ungewöhnliche typografische Gestaltung mit teilweise rechtsbündiger Textausrichtung erregt definitiv auch die Aufmerksamkeit.
Zweifellos strebe ich an, dass mein Lebenslauf professionellen Bewertungen standhält. Optimiert für CV-Parser, kann ich hoffen, dass er doch den/die Personaler*in erreicht und von ihm/ihr gelesen wird. Zwar wird hier auch de facto eine subjektive Auswahl getroffen, aber das menschliche Auge registriert die Feinheiten und Besonderheiten der Gestaltung anders, als eine Maschine das kann. Und vermutlich werden meine Stärken und Qualifikationen besser sichtbar.

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