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RESSOURCEN

Als Kind habe ich oft belächelt, dass meine Eltern das frisch gekaufte Brot „gesegnet“ haben. Vor dem Anschneiden zeichneten sie mit dem Messer symbolisch ein Kreuz auf die Unterseite des Brotlaibes. Damit erfuhr das Brot als Grundlage unserer Ernährung eine besondere Verehrung und Aufmerksamkeit. Ich kann nur noch wenig mit solchem christlichen Brauchtum anfangen. Die Wertschätzung für Lebensmittel und natürliche Ressourcen ist mir bis heute geblieben.
Auch wenn wir viel über Nachhaltigkeit und nachhaltigem Konsum reden, solche Wertschätzung ist in unserer Gesellschaft größtenteils verloren gegangen. Wir leben in einer Überflussgesellschaft. Dass die natürlichen Ressourcen begrenzt sind und dass wir sie immer schneller verbrauchen, ist vielen von uns nicht bewusst.
Sollten wir nicht unser Konsumverhalten überdenken? Wir müssen unsere natürlichen Ressourcen wieder wertschätzen lernen. Und wir müssen mit Ressourcen respektvoll umgehen, so wie mich meine Eltern das mit dem Brot gelehrt haben. Wertschätzen bedeutet vor allem, das richtige Maß zu finden.
Deshalb kaufe ich nur so viel, wie ich verbrauche. Sehr selten wird bei mir etwas weggeworfen. Brot muss nicht gleich am nächsten Tag entsorgt werden. Kaufe ich einen ganzen Laib, und weiß, heute esse ich nur ein kleines Stück, dann friere ich den Rest ein. Sind einige Brotscheiben am nächsten Tag etwas trockener geworden, mache ich mir daraus ein pikantes Käsebrot mit Spiegelei.
Viele Lebensmittel sind bedenkenlos länger zu genießen, als das Mindesthaltbarkeitsdatum angibt. Oft wird das mit dem Verfallsdatum verwechselt. So landen hochwertige Produkte, meistens Milchprodukte wie Joghurt, Käse, Quark viel zu früh im Mülleimer. Ist man unsicher, ob Lebensmittel noch gut sind, kann man sie ganz einfach mit drei Sinnen prüfen: Schmecken, Riechen, Sehen.
Besonders wichtig ist es, zu lernen, wie man das richtige Maß beim Lebensmittelkauf findet. Es mag altmodisch klingen, aber am besten funktioniert das bei mir mit einem Einkaufszettel. Als moderne Variante benutze ich ab und zu eine Einkaufs-App. Hält man sich strikt an die Liste, wandern keine Sonderangebote in den Einkaufswagen. Nicht altmodisch, aber schon etwas abgenutzt, ist meine Einkaufstasche aus Jute. Ich verwende sie seit vielen Jahren und sie scheint unzerstörbar.
Wasser, Grundlage allen Lebens, gehört zu den wichtigsten Ressourcen unserer Erde. Trinkwasser ist ein kostbares und in vielen Regionen der Erde ein knappes Gut. Die Notwendigkeit damit nachhaltig zu wirtschaften ist so groß wie noch nie.
Im Alltag versuche ich sparsam damit umzugehen. Eine kurze Dusche erfrischt mich mehr als ein ausgedehntes Schaumbad. Eine spezielle Düse mit Luftansaugfunktion sorgt dafür, dass sich der Wasserstrahl beim Duschen kräftig anfühlt, ist sparsam und effizient. Dass ich damit nicht nur wesentlich weniger Wasser, sondern auch Energie verbrauche, ist schlüssig.
In der Küche findet der zweithöchste Wasserverbrauch statt. Um eine Tasse Tee zu kochen, brauche ich nicht den vollen Wasserkocher erhitzen, dafür kann ich die Wassermenge genau abmessen. Auch Getränke unter fließendem Wasser zu kühlen, kommt bei mir nicht in Frage. Solche Wassersparmöglichkeiten lassen sich tagtäglich und sofort umsetzen.
Mächtige Konzerne verkaufen Wasser als teure Ware in Entwicklungsländern. Der Zugang zu Wasser wird für immer mehr Menschen zum Problem. Sind wir dafür nicht alle auf die eine oder andere Weise verantwortlich? Sollte der Zugang zu sauberem und frischen Trinkwasser nicht ein anerkanntes Menschenrecht sein? Es ist nicht zu leugnen, dass Wasser weltweit knapp wird. Gleichwohl lässt unseres Konsumverhalten ganze Regionen in Spanien austrocknen, nur damit wir ganzjährig frisches Obst und Gemüse kaufen können.
Nachhaltigkeit ist für mich zu einem Begriff geworden, der sehr inhaltslos klingt und wenig greifbar ist. Viele denken, dass es eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei, die von Politik und Wirtschaft gesteuert und geregelt werden sollte. So kann diese Aufgabe aber nicht bewältigt werden. Ich sehe es als unerlässlich, dass jeder sein richtiges Maß grundsätzlich neu überdenken und finden muss. Wertschätzung für natürliche Ressourcen fängt doch bei jedem selbst an. Wann fängst du damit an?

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Renate Blaes

    „Natürliche Ressourcen“ … sammle ich nahezu täglich – auf der Wiese oder am Wegesrand. Ich spreche von Wildkräutern. Mit denen kann man Rezepte wunderbar anreichern und aromatisieren. Zum Beispiel mit Wiesenbärenklaus ein Risotto zaubern. Allerdings lebe ich auf dem Land, wo es natürlich deutlich einfacher ist, Wildkräuter zu finden als in der Großstadt.
    Viele Grüße – Renate

    1. Piotr

      Hallo Renate, das ist ein guter Impuls! Natürlich kenne ich Wildkräuter sammeln aus meiner Kindheit… Gruß, Piotr

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